Werbung als Notar: Wie Sichtbarkeit seriös gelingt

Viele Notar:innen stehen vor einem Spannungsfeld: Einerseits verändert sich das Suchverhalten von Mandant:innen deutlich. Andererseits gelten für Notar:innen besonders strenge berufsrechtliche Vorgaben, wenn es um Werbung und Außendarstellung geht. Der folgende Beitrag ordnet das Thema Werbung als Notar bzw. Notarin rechtlich und strategisch ein und zeigt auf, wie Notar:innen sichtbar werden, ohne ihre berufsrechtlichen Pflichten zu gefährden.

Su Reiter gehört zu den bekanntesten Stimmen für Kanzleimarketing im deutschsprachigen Raum. Mit 15.000+ Follower:innen aus der Rechtsbranche auf LinkedIn und jahrelanger Beratungserfahrung im Marketing auf dem Rechtsmarkt begleitet sie Kanzleien und juristische Unternehmen dabei, sich im digitalen Wettbewerb klar zu positionieren und dauerhaft sichtbar zu bleiben.

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Das Wichtigste auf einen Blick

  • Werbung ist für Notar:innen nicht grundsätzlich verboten, unterliegt jedoch strengen berufsrechtlichen Grenzen. Zulässig ist sachliche Information, unzulässig sind vergleichende oder anpreisende Aussagen.
  • Viele Notar:innen verzichten aus Unsicherheit vollständig auf Sichtbarkeit. Dadurch entsteht häufig ein Informationsdefizit für Mandant.innen, das durch konkurrierende Dritte gefüllt wird.
  • Strategische Sichtbarkeit beginnt mit verständlichen Informationen zur Rechtslage und den notariellen Prozessen, nicht mit klassischen Werbemaßnahmen.
  • Suchmaschinenoptimierung (SEO) ist zulässig, wenn sie sachlich erfolgt und reale Informationsbedürfnisse abdeckt, statt auf Wettbewerb oder Beeinflussung zu zielen.
  • Ein klarer Fokus und schrittweises Vorgehen sind entscheidend. Zu viele Maßnahmen gleichzeitig führen gerade im notariellen Umfeld selten zum gewünschten Ergebnis.

Werbung als Notar: (Berufs-)rechtlicher Rahmen 

Werbung ist Notar:innen nicht grundsätzlich verboten. Sie unterliegt jedoch deutlich strengeren Grenzen als bei Rechtsanwält:innen. Maßgeblich ist der Grundsatz der Unabhängigkeit, Neutralität und Sachlichkeit des Notaramts.

Zulässig ist sachliche Information über:

  • die Person des Notars oder der Notarin,
  • den Amtssitz,
  • Tätigkeitsbereiche und
  • organisatorische Abläufe.

Unzulässig sind dagegen werbliche Aussagen, die auf Mandantenlenkung, vergleichende Werbung oder reine Imagewerbung abzielen. Aussagen wie „der beste Notar“, „besonders günstig“ oder „schneller als andere“ sind berufsrechtlich problematisch, weil sie den Eindruck eines Wettbewerbs um Mandate erwecken. Erfahren Sie mehr über Kanzleimarketing und Berufsrecht.

Ein realistischer Einstieg besteht daher nicht darin, plump „Werbung zu machen“, sondern Informationen bereitzustellen, die Mandant:innen bei der Orientierung helfen. Genau darauf ist unsere Agentur spezialisiert: Educational Content liefert kostenlosen Mehrwert für Ratsuchende und eröffnet gleichzeitig den direkten Weg zum Expertin oder zur Expertin, die bei rechtlichen und notariellen Angelegenheiten kompetent weiterhelfen kann.

Was Juristen unter Werbung häufig falsch verstehen

Unserer Erfahrung nach zeigt sich, dass viele Jurist:innen Werbung sehr eng definieren – und deshalb aus Vorsicht nahezu vollständig auf digitale Sichtbarkeit verzichten. Das führt jedoch häufig dazu, dass Kanzleien und Notariate online kaum auffindbar sind oder ausschließlich über Verzeichnisse wahrgenommen werden, in der sie nur eine Ansprechperson von vielen sind.

Ein häufiger Fehler ist die Annahme, dass bereits eine gepflegte Website oder erklärende Inhalte zu notariellen Abläufen unzulässig seien. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Sachliche Aufklärung über Abläufe, die Rechtslage, Zuständigkeiten und rechtliche Rahmenbedingungen ist nicht nur erlaubt, sondern aus Mandantensicht oft notwendig, um die eigenen Rechte und Interessen durchzusetzen. Erfahren Sie mehr zum Kanzleimarketing.

Ein weiterer Fehler besteht darin, moderne Kommunikationsplattformen wie Google oder LinkedIn vollständig auszublenden, während gleichzeitig intransparente Drittplattformen das Bild prägen. Wer hier keine eigene, kontrollierte Informationsbasis schafft, überlässt die Außendarstellung anderen.

Ein sinnvoller erster Schritt ist daher immer die Frage: Welche Informationen suchen Mandant:innen tatsächlich – und wie lassen sich diese neutral, korrekt und verständlich bereitstellen?

Juristischer Content: Sachliche Sichtbarkeit statt klassischer Werbung

Erfolgreiche Sichtbarkeit für Notare entsteht nicht durch werbliche Versprechen, sondern durch strukturierte Information. Besonders bewährt haben sich Inhalte, die typische Fragen aus der Praxis aufgreifen, etwa beispielsweise:

  • Ablauf eines Grundstückskaufvertrags,
  • Rolle des Notars bei der GmbH-Gründung,
  • Bedeutung des Notars bei Eheverträgen oder Erbregelungen.

Diese Inhalte werden auch als juristischer Content bezeichnet. Sie dienen nicht der Mandantenakquise im klassischen Sinne, sondern zunächst der reinen Information und Einordnung. Mandant:innen erhalten Orientierung, so dass in einem zweiten Schritt eine Kontaktaufnahme und darauffolgend eine konkrete Rechtsberatung zum Einzelfall erfolgt.

Der Einstieg sollte bewusst fokussiert erfolgen. Statt alle Themen gleichzeitig abzudecken, empfiehlt es sich, zunächst 2 bis 3 häufig nachgefragte Tätigkeitsbereiche strukturiert aufzubereiten. Alles andere führt schnell zu inhaltlicher Unschärfe, was auch das Ranking in Suchmaschinen wie Google negativ beeinflussen kann. 

Wichtig ist dabei: Sichtbarkeit entsteht langfristig. Ziel ist es nicht, “über Nacht” auf Google den ersten Platz zu belegen, sondern die eigene Sichtbarkeit Schritt für Schritt zu steigern, so dass man jahrelang davon profitiert. Dafür braucht es in der Regel eine Strategie-Konzeption. Denn einzelne Maßnahmen ohne strategischen Zusammenhang bleiben wirkungslos – gerade im sensiblen Umfeld notarieller Kommunikation.

Googe & Co. – Suchmaschinen-Werbung für Notare

Auch Suchmaschinenoptimierung (SEO = “Search Engine Optimization” auf Englisch) ist für Notar:innen grundsätzlich zulässig, solange sie nicht irreführend oder aggressiv erfolgt. Problematisch sind vor allem bezahlte Anzeigen mit reißerischen Texten, die auf einen Wettbewerb um Mandate hindeuten.

Unproblematisch sind hingegen all jene Faktoren, die für eine gepflegte Website und damit für ein gutes Ranking absolute Voraussetzung sind:

  • eine technisch saubere und aktuelle Website,
  • ein ansprechendes und modernes Webdesign,
  • klare Seitenstrukturen und logische Navigation,
  • mobile Optimierung,
  • verständliche und strategisch ausgewählte Überschriften (Stichwort: Keyword-Einbindung) und
  • Inhalte, die reale Suchanfragen sachlich beantworten.

Ein realistischer Startpunkt ist häufig die Überarbeitung bestehender Website-Texte: Ist die Rechtslage verständlich? Ist deutlich gemacht worden, dass der Notar bzw. die Notarin die Ausgangssituation der Ratsuchenden (emotional) versteht? Sind Abläufe klar beschrieben? Wurden die Kosten transparent kommuniziert? Werden Zuständigkeiten nachvollziehbar erklärt? Finden Mandant:innen die Informationen, die sie benötigen, ohne nochmal anrufen zu müssen?

Gerade bei Notar:innen ist weniger oft mehr: Texte, die strukturiert und ansprechend sind, können über Jahre Traffic auf die eigene Website bringen, ohne dass es einer laufenden Betreuung bedarf.

Social Media für Notare: Expertise statt Inszenierung

Soziale Netzwerke sind kein Muss für Notar:innen, aber auch nicht per se verboten. Entscheidend ist die Art der Nutzung. Private Einblicke, Selbstdarstellung oder meinungsstarke Beiträge widersprechen regelmäßig dem Amtsverständnis.

Sachlich-informative Beiträge hingegen – etwa Hinweise zur Rechtslage und ihren Auswirkungen auf Betroffene, bestimmte Verfahrensabläufen oder organisatorischen Fragen – können sinnvoll sein, wenn sie zurückhaltend und unaufdringlich formuliert sind. Mehr Beispiele und Informationen über dieses Thema erhalten Sie unter: Social Media für Kanzleien.

In der Praxis zeigt sich jedoch, dass Social Media häufig erst dann sinnvoll ist, wenn die Website und die grundlegende Positionierung bereits klar definiert sind. Der erste Schritt sollte daher immer die eigene Ausgangslage und die passende Strategie für die eigene Zielgruppe sein – nicht der schnelle Einstieg in neue Kanäle.

Fazit

Werbung als Notar bedeutet nicht, Mandanten zu umwerben. Es geht um sachliche Information, transparente Abläufe und eine professionelle Außendarstellung, die Vertrauen schafft. Notare, die ihre Kommunikation strategisch aufbauen, gewinnen keine „mehr“ Mandanten – sondern die richtigen, gut informierten.

Wenn Sie als Notar:in eine professionelle Sichtbarkeitsstrategie für Ihre Kanzlei entwickeln möchten, unterstützen wir Sie gerne in einem unverbindlichen Erstgespräch bei der Einordnung Ihrer Möglichkeiten.

Su Reiter

✓ Content-Strategin mit mit juristischem Hintergrund
✓ Mehr als 8 Jahre Erfahrung in der Medienbranche
✓ Gründerin der juristischen Contentplattform legalnerd
✓ Über 15.000 Menschen folgen ihr auf LinkedIn

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